Bildung 22.03.2025 3 Min. Lesezeit
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ChatGPT in der Schule: Warum absurde Aufgabenstellungen keine Lösung sind

Eine groteske Hausaufgabe meiner Tochter zeigt, wie unvorbereitet unser Bildungssystem auf eine KI-gestützte Lernwelt reagiert. Verbote und Tricks helfen nicht weiter, Medienkompetenz schon.

Schülerin am Smartphone mit ChatGPT

Die Biologie-Hausaufgabe: Symptom eines überforderten Systems

Vor wenigen Tagen kam meine 14-jährige Tochter von der Schule nach Hause, sichtbar irritiert und verwundert zugleich. „Papa, schau dir bitte mal meine Hausaufgabe an!“, sagte sie und zeigte mir die Aufgabenstellung auf ihrem Smartphone. Was ich dort las, ließ auch mich sprachlos zurück:

Das Dreckige Dutzend Spiel – Gruppenarbeit
Ihr plant einen Biowaffenangriff auf Wien.
Entwickelt einen Plan, wie ihr möglichst viele Menschen schädigen könnt. Wo besorgt ihr die Biowaffe? In welchem Umfeld setzt ihr sie ein? Welche Sicherheitsvorkehrungen werden benötigt?
Ihr präsentiert mittels PowerPoint eure Ergebnisse. Möglichst realistisch!!!!!

Originale Aufgabenstellung aus dem Biologieunterricht

Zunächst dachte ich an einen schlechten Scherz, doch tatsächlich handelte es sich um eine ernst gemeinte Aufgabe aus dem Biologieunterricht. Der wahrscheinliche Grund erschloss sich mir als Kenner der Materie schnell: Offenbar wollte die Lehrkraft verhindern, dass Schüler:innen die Hausaufgabe einfach von generativer KI wie ChatGPT erledigen lassen. Denn Systeme wie ChatGPT verweigern typischerweise Aufgabenstellungen, die illegale oder ethisch problematische Inhalte betreffen. Doch so absurd diese Idee auch zunächst wirken mag, sie offenbart ein tieferliegendes Problem: Klassische Hausaufgaben verlieren zunehmend ihren Sinn, wenn Schüler:innen sie per KI auf Knopfdruck erledigen können. Zugleich verdeutlicht dieses Beispiel, wie unvorbereitet unser Bildungssystem auf die Realität einer KI-gestützten Lernwelt reagiert.

Generative KI verändert das Lernverhalten

Immer häufiger beobachte ich, wie Schülerinnen und Schüler generative KI wie ChatGPT einsetzen, um unliebsame oder repetitive Aufgaben schnell abzuarbeiten. Texte, Aufsätze oder Referate werden von der KI vorgeschrieben, und viele Kinder übernehmen die Ergebnisse kritiklos, weil diese schnell und überzeugend präsentiert werden. Die Folge: Schüler:innen beschäftigen sich immer weniger intensiv mit den eigentlichen Inhalten.

Die bessere Antwort heißt Medienkompetenz

Können absurde Aufgaben oder Verbote eine Lösung sein? Wohl kaum. KI verschwindet nicht wieder, sie wird allgegenwärtiger und besser. Wer sie aussperrt, verliert nur Zeit. Worauf es ankommt, ist etwas anderes: kritisch denken, Informationen prüfen und einordnen, mit KI-Ergebnissen bewusst umgehen. Genau das fällt gerade hinten runter.

Statt KI auszutricksen, sollten Schulen sie nutzen. Das geht: offene Aufgaben, bei denen die KI recherchiert und die Schüler:innen danach prüfen, diskutieren, einordnen. Mündliche Präsentationen. Projektarbeiten. Formate, in denen man nicht mehr einfach abschreibt, weil die eigene Auseinandersetzung der Punkt ist.

Der eigentliche Hebel ist Medienkompetenz. Schüler:innen müssen lernen, KI-Antworten zu hinterfragen, mit anderen Quellen abzugleichen, auf Richtigkeit zu prüfen. Das ist die Fähigkeit, auf die es ankommt, in der Schule und weit darüber hinaus.

Meine Tochter hat die Aufgabe nie gemacht. Als ITler mit einem fast fertigen Jus-Studium im Rücken habe ich ihr dringend abgeraten, zu googeln, wie man einen Biowaffenangriff auf Wien plant. Wir wollten ja nicht plötzlich einen Geheimdienst vor der Tür stehen haben. Mit der Einschätzung waren wir nicht allein: Auch die Elternvertreter:innen fanden die Aufgabe daneben, der Direktor hat sie schließlich gestrichen.

Damit ist diese eine Aufgabe erledigt. Das Problem dahinter nicht. Es lässt sich nicht mit absurden Aufgaben lösen, sondern nur, indem wir Kindern beibringen, mit dieser Technologie umzugehen.

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